der Weg





Das gehen eines Weges, ist eine uralte Metapher für das Leben. Für viele Menschen fällt ihr Entschluß, um auf den Weg nach Santiago de Compostela zu gehen, zusammen mit einem besonderen Ereignis oder mit einer neuen Phase in ihrem Leben.
Die Wander- und Radwege nach Santiago werden stets besser und über immer größere Wegstrecken beschildert. Es gibt unzählige Reiseführer und websites mit hilfreichen Informationen. 
Der andere Weg, der Lebensweg scheint inzwischen stets mehr zu einem Irrgarten zu werden. Die Entwicklungen werden schneller und schneller, weltweit. Unser Zusammenleben wird stets komplexer. Menschen wollen selbst, bei aller Dynamik, ihre eigenen Entscheidungen treffen und müßen das auch. Es ist ja undeutlicher geworden, was wir noch miteinander und voneinnader wollen.

In all der Hektik scheint die Vergangenheit übersichtlicher und geordneter gewesen zu sein. Ob das wirklich so war? Nehmen wir den Weg nach Santiago, den “Camino”. Es scheint so deutlich: Menschen gingen früher auf den Weg um Gott zu ehren – Punkt! Das soll für viele Pilger so gewesen sein, und auch heute gehen Menschen aus religiösen Gründen auf den Weg nach Santiago. Doch es gab auch andere Motive, wie z.B. Abenteuer oder Streitigkeiten (der Camino spielt eine große Rolle bei der Eroberung bzw. Rückeroberung, von den Mauren), als Bußgang (viele Menschen liefen dem Weg als Strafe für ihre Sünden), Geld (reichere Menschen ließen andere, gegen Bezahlung für sie den Weg als Bußgang laufen), Handel (der Camino war auch damals schon “big business, also ein gutes Geschäft für eine Stadt wie Santiago de Compostela).

Was wir sagen wollen: Leicht war es damals auch nicht.
Wir wollen uns mit den Fragen nach den Beweggründen und vorallem mit der Frage: was wir nun mit unserer Pilgerreise nach Santiago und weiter anfangen. Wir haben dabei viel gelernt und lernen heute noch viel von anderen, z.B. von unseren Gästen, so wollen wir hier einige Gedanken und Tipps aufschreiben, für die, die sie lesen wollen.

der Weg

Auf zahllosen websites und in dutzenden Reise- und Pilgerführern wird viel Wert auf die praktischen Hinweise zur Pilgerreise, einschließlich von allerlei Packlisten für den Rucksack gelegt. (Auf  Camino de Santiago geben wir eine Übersicht). Die meisten Fragen die in unserer Herberge an uns gerichtet werden, drehen sich auch darum: Wie weit ist es? Links herum oder rechts herum? Wie ist das Wetter? Wo kann ich essen und trinken? Finde ich immer einen Schlafplatz? Natürlich, auf dem Camino leben Sie befristet ein anderes Leben und müßen es auch neu einrichten, doch sind bereits so viele Menschen vor Ihnen gegangen, sodaß es Ihnen sicher auch gelingen wird.

Dagegen wird viel weniger über den anderen Weg, den Lebensweg geschrieben. Diese persönliche Dimension ist natürlich auch viel schwerer  “anzugehen” bzw. zu beschreiben. Umso wichtiger ist es, so finden wir, dieser persönlichen Dimension besondere Aufmersamkeit bei der Vorbereitung zu widmen. Etwa um zu vermeiden, von den täglichen Anforderungen oder möglichen Sorgen um Blasen und Muskelkater, Wetter und Wind, Essen und Schlafplatz, die auf dem Weg auftreten können, zu stark vereinnamt zu werden.

Wenn Sie bewußt unterwegs sind, werden Sie Ihre Reise viel intensiver erleben. Es ist dann eine Reise nach Innen und nach Außen. Nach Außen, weil Sie zu Fuß oder mit dem Rad einem Abenteuer entgegen gehen. Nach Innen, damit Sie sich auf Ihrer Tour besser oder noch besser kennenlernen können. Eine Pilgerreise ist deshalb eine starke Metapher für das Leben und Selbsterfahrung, die Veränderungen zustandebringt oder verstärkt.

Hiernach gebrauchen wir die Metapher vom Weg, um etwas von unseren Erfahrungen mitzuteilen. Wir waren dabei inspiriert durch die Arbeiten des amerikanischen Professors Joseph Campbell, der etliche Untersuchungen über die mythischen Heldenreisen angestellt hat. Er hat gezeigt, das diese uns auch heute noch inspirieren können, da sie uralte Einsichten enthalten, die er in intensiv Bilder übertragen hat.

Wir haben unsere Reise in folgende Abschnitte unterteilt:

Bevor wir uns auf den Weg machen, wollen wir nochmals betonen. dass es um eine Metapher unserer Erfahrungen und Einsichten geht. In der Praxis soll jeder seine eigene Reise unternehmen, so wie im wahren Leben, denn dies hat ja auch tausende und noch mehr unterschiedliche Gesichter!

 

 

 


 

 

 

 


Das Buch von Joseph Campbell: "The Hero with a Thousand Faces"

Esprit-Karten (neu!)

Die Pilgerherberge “L’Esprit du Chemin” hat 24 “Esprit-Karten" gemacht, mit Fragen, Anregungen und Zitaten für unterwegs. Wir empfehlen zuerst diese Rubrik, "Der Weg`, ganz zu lesen, bevor du die Karten benutzt. Du kannst die Karten umsonst benutzen:

  • Tipps für: Drucken, Größe und Gebrauch der Esprit-Karten,
  • die 24 Esprit-Karten und eine Anfangskarte.

Achtung: Die Karten und die Hinweise sind im "PDF-Format" gespeichert. Um sie ansehen und drucken zu können, brauchst du das Programm `Adobe Reader`. Du kannst es durch Klick auf diesen Button kostenlos herunterladen:


Fragen


Anregungen, und

"Zitate"

Der Weg: der Aufruf
Für viele Menschen ist der Camino eine sehr wichtige Etappe auf ihrer Lebensreise. Eine Etappe, bei der sie etwa bestimmte Erfahrungen verarbeiten, um Abschied  nehmen können (z.B. vom Beruf, von geliebten Menschen, von alten Lebensmustern), aber auch um einen Neubeginn in eine neue Zukunft zu starten.
Deshalb schrieb Joseph Campbell über den Aufruf an den Helden, zu seinem Abenteuer aufzubrechen.
Wie z.B. die Ritter aus König Arthurs Tafelrunde aufgerufen wurden, nach dem heiligen Gral zu suchen. Dies war ein Aufruf der von außen kam. So ist für viele Menschen auch heute ein besonderer Anlaß der Grund, um mit dem Rad oder zu Fuß auf den Camino zu gehen. Aber es kann auch ein Aufruf von innen heraus sein, eine Stimme in einem selbst, die einem sagt, dass es nun an der Zeit ist, auf den Weg zu gehen, im wortwörtlichen Sinn oder bildlich. Von einigen Gästen hören wir, dass sie schon seit 10 Jahren und mehr wissen, das sie nach Santiago “müssen”. Sie konnten aber, trotz allerlei Gründe, nicht früher dem Aufruf Gehör schenken.



Der heilige Gral und die Ritter aus König Arthurs Tafelrunde


Der Weg: die Abreise
Auch die längste Reise beginnt mit dem ersten Schritt. Da ist der Beschlss, tatsächlich auf den Weg zu gehen, um das Bekannte und Vertraute hinter sich zu lassen, aber auch um zu sehen, was auf einen zukommt, kurzum: um “Pilger” zu werden ( abgeleitet aus dem lateinischen Wort “peregrinus”, was “Fremdling” bedeutet).

Regelmäßig hören wir von unseren Gästen schöne, inspirierende Geschichten über die Art und Weise, wie sie den Beginn ihres Pilgerweges, den tatsächlichen Start gefeiert haben, etwa durch ein Abschiedsfest oder durch eine Segnung. Wieder andere nehmen etwa einen Stein mit, als Erinnerung an einen geliebten Menschen oder als Symbol für eine Last, die man unterwegs von sich abwerfen will. Das Cruz de Ferro in den Bergen hinter Astorga ist so ein Platz, wo viele Menschen ihren Stein ablegen und zurücklassen.

Beim Abschied stehen diejenigen, die losgehen, meist im Mittelpunkt. Aber bedenken sie auch, dass ihre Reise auch großen Einfluss auf diejenigen hat, die zu Hause bleiben. Dies ist auf jeden Fall die Erfahrung von vielen: eine wichtige, eigene Veränderung hat auch immer Einfluss auf die anderen.



von
Gabriel Martinez-Almeida


Der Weg: die Reise
Auch wenn Sie Ihre Reise noch so gut geplant haben, einmal unterwegs entdecken Sie, früher oder später, das die Reise doch etwas anders läuft, als Sie dies bedacht haben. Dies ist das Spannendste bei der Reise aber es kann auch schwierig sein. Man stellt sich immer wieder die Frage: Warum habe ich dies begonnen? Alte Modelle und Muster arbeiten nicht mehr. Neue Klärungen sind nötig.

Wir mußten dann regelmäßig selbst an den Ausspruch, den wir auf dem camino oft gehört hatten, denken: Der Weg ist das Ziel ( und nicht Santiago). Die Herausforderungen denen man begegnet, sind dann nicht so sehr Hindernisse, die man so schnell als möglich annehmen muß, um irgendwie anzukommen. So findet man auch neue Möglichkeiten, von denen man Gebrauch machen kann, wie etwa unvermutete Kraft, Kreativität und Weisheit. Wie schwer dies manchmal auch ist. 
So ist es auch im Leben: Das Ende kommt “von alleine”, es geht vor allem darum, was man “unterwegs” unternimmt und wie man dies tut.

Ein Labyrinth ist ein gutes Symbol für den (Pilger) weg den man zurücklegt, etwa den Übergang in eine neue Phase des Lebens. Man nimmt Abschied von dem Alten und begibt sich auf den Weg, in das Labyrinth, auf der Suche nach neuen Bedeutungen und Erkenntnissen. Wenn man entdeckt was wirklich wichtig ist, hat man den Kern erreicht, wörtlich und bildlich. Dann beginnt der Rückweg, aus den Labyrinth heraus, forschend, wie dieses neue Form im eigenen Leben, im Alltag für sich ( und auch anderen) angewandt werden kann.

 

Labyrinth (Barcelona, Spanien: Sagrada Familia)



Labyrinth (Graitschen, Deutschland)


der Weg: die Reisegefährten
Unterwegs lauern natürlich nicht überall “Gefahren”. Sie sollten auch ihre “Verbündeten” finden. Wieviel Berichte über den Camino wurden geschrieben die von inspierenden Begegnungen, großer Gastfreundschaft, vorbehaltloser Hilfe die angeboten wurde, berichten. In den großen “Mythen” wurde dabei über “Magie” und “Engel” auf dem Weg gesprochen.
Der große deutsche Schriftsteller und Philosoph Johann Wolfgang von Goethe spricht dann auch von der “Vorsehung”: “ In dem Moment das du dich selbst wahrhaftig irgendwofür einsetzt, kommt auch die Vorsehung in Bewegung. Da geschehen allerlei Dinge um dir zu helfen, die sonst nicht geschehen wären. "
Im Kreuzgang des Klosters von Santo Domingo de Silos (südlich von Burgos), finden Sie ein prächtiges Relief der Emmausjünger, und  - als ihr Reisegefährte – Jesus, mit Pilgertasche und Muschel: “Wer ist der Dritte, der immer mit Dir zusammen geht?”, fragen die Emmausjünger jeden (aus T.S. Elliot, The Waste Land).

Hilfe kommt nicht allein von außen, auch von innen. Wir hören von unseren Gästen oft bewegende Bespiele, die gerade in den schwierigsten Momenten ihrer Reise, eine große, unvermutete Kraft oder Kreativität in sich selbst entdeckten.

Zum Entdecken von Reisegefährten gehört auch..... das Abschied nehmen, was manchmal sehr schwer fällt. Entlang des Caminos entstehen Freundschaften für das Leben. Manchmal fragen wir uns, warum Menschen zusammen reisen, auch wenn sie sich, im übertragenen Sinne, nicht verstehen können. Ist dort doch noch eine tiefere Verbundenheit? Oder.... ist es vor allem die Scheu davor, alleine weiter zu gehen? Wenn es das Letztere ist, können wir Ihnen lediglich raten: schreiten Sie darüber hinweg. Sie werden sehen, dass sie danach mehr denn je offen sind für neue Begegnungen.



Engel (Santo Domingo de Silos, Spanien)


Emmaüsgangers und Jezus
(Santo Domingo de Silos)


der Weg: das Ankommen
In der Metapher vom Weg bedeutet das Ankommen, das man den wesentlichen Kern erreicht hat, das man weiß, was wirklich wichtig für einen selbst ist (siehe auch den Part über das Labyrinth, bei “die Reise”).
Auf dem camino bedeutet die Ankunft vor allem: das Ankommen in Santiago de Compostela oder in Cabo Fisterra, dem Kap am Ende der Welt. Es kann natürlich gut sein, das man dort ankommt ehe etwa Fragen mit denen man auf den Weg ging, beantwortet wurden.
Vielleicht wird auch darum so oft gesagt: Der Weg ist das Ziel. Irgendwie ist es logisch, dass, zumindest teilweise, der konkrete Endpunkt ein Ziel für sich wird. Und lassen wir ehrlich sein: das Erreichen dieses Zieles ist für sich genommen, eine Leistung von Format.
Am Cabo Fisterra folgen viele einem uralten Ritual, um damit, durch ein symbolisches Abschied nehmen von “dem Alten”, und damit auch der Beginn von “den Neuen”, zu markieren, beispielsweise durch ein altes Kleidungsstück das in die See geworfen oder verbrannt wird.

Die Ankunft in Santiago kennt wunderbare Rituale: Seine Hand auf die Jakobssäule, am Portigo de la Gloria (dem romanischen Portal der Kathedrale), zu legen, eine Pilgermesse zu besuchen (ob mit oder ohne dem schwingenden Weihrauchfaß, dem botafumeiro), dem erneuten Treffen mit früheren Reisegefährten, und dem.... Abschied.

Für manche ist Santiago doch vor allem eine Enttäuschung, durch den großen Trubel und die vielen Touristen in der Stadt. Einzelne beschließen noch am selben Tag der Ankunft abzureisen, sogar mit dem Flugzeug. Nach Wochen und Monaten die sie gelaufen oder gefahren sind, werden sie dann mit 1000km in der Stunde nach Hause zurück geworfen. Eine Anzahl von ihnen spüren, zurück-blickend, ein Bedauern über diesen abrupten “Abschied”.  

"... und hoffe nicht, dass Santiago dir Reichtum gäbe.
Santiago gab dir die schöne Reise ... "

(Frei nach dem Gedicht Ithaka, von Konstantinos Kavafis)



Cabo Fisterra 

Botafumeiro


Ankunft in Santiago

 



der Weg: das nach Hause kommen
Doch auch wenn Sie sich die Zeit für einen guten Abschied nehmen – vom Leben in den Tag hinein auf dem Camino, von den Reisegefährten, von Santiago - dann fällt es zu Hause doch oft schwer den “Draht” aufrecht zu halten.
Das ist auch unsere eigene Erfahrung. Wenn die Pilgerberichte zu Hause erzählt sind, das Tagebuch vervollständigt ist, die Fotos eingeklebt sind, dann bleibt die Frage, wie die Erfahrungen und Einsichten vom eigenen Camino in das Alltagsleben umgesetzt werden können. Das ist schon schwierig genug. Es kommt so viel auf einen zu, wenn man wieder zu Hause ist. Vielleicht beginnt der Weg erst nun? Stückchen für Stückchen verstehen Sie was der Weg für Sie bedeutet.

In diesen Momenten können die Erfahrungen ihres Weges ihnen zu Hilfe kommen. Schritt für Schritt gehen Sie weiter, gerade auch wenn es ungünstig ist. Mit Vertrauen in sich selbst und in die Reisegefährten. Mit Glaube, denn Sie folgen weiterhin ihrem Traum? Gestärkt, weil Sie wissen das viele vor Ihnen den langen, beschwerlichen Weg gegangen sind.



Der Kreuzweg von San Juan de Gaztelugatxe, an die Küste, nördlich von Gernika (Camino del Norte)

praktische Tipps

Aus allen Teilen der Welt machen sich Leute auf den Weg nach Santiago de Compostela, aus verschiedenen Gründen, Jung und Alt. Zu Fuss, auf dem Fahrrad oder selbst auf dem Pferd.
Einer nimmt sich die Zeit, der andere ist zeitgebunden. Viele suchen die Einfachheit und die Gesellschaft in „refugios“ (Pilgerherbergen), andere legen mehr Wert auf Luxus und Intimsphäre. Die Vorbereitungen sind also für jeden anders.
Dasselbe gilt für die Auswahl Ihrer Ausrüstung. Einer darf als Wanderer höchstens 10% des Körpergewichts an Gepäck mitnehmen, bei dem anderen darf es 15% sein. Letztendlich hängt es natürlich zusammen mit Ihrer Erfahrung und Kondition und der Saison in der man anfängt und mit der Auswahl der Strecke (auf den vielbelaufenen Strecken sind viele „refugios“).
Eines ist sicher: viele Leute nehmen zuviel Gepäck mit. Das sieht man dann erst ein, wenn man bei uns durch die steilen Gasse hinauf geht  und nachdem auch noch die Berge sieht. Das Postamt in Saint-Jean- Pied-de-Port macht gute Geschäfte mit den vielen Leuten, die Kilos Gepäck nach Hause schicken. Und in unserer Herberge lässt man regelmässig Gepäck zurück.

Deshalb einige Hinweise:

  • Feste Wanderschuhe sind notwendig, Bergschuhe nicht
  • Vor allem auf den vielbelaufenen Wanderstrecken braucht man kein Zelt und keine Sachen zum kochen; es gibt genügend zahlbare Gaststätten
  • Im Sommer genügt ein dünner Schlafsack oder ein Bettuchsack. (In den „Refugios“ sind keine Bettücher zu bekommen)
  • Fast überall gibt es Gelegenheit um die Kleider zu waschen; man braucht nicht viel Ersatzkleidung mit zu nehmen
  • Die vielbelaufenen Wanderstrecken sind gut bis ausgezeichnet beschildert, man braucht keine Wanderkarten mitzunehmen 
  • Eine gute Wasserflasche oder eine guter Wassersack reicht; wenn es sehr warm ist kann man extra Wasser  in Plastikflaschen mitnehmen.
  •  Auch in Spanien kann es tüchtig  regnen; ein gutes Cape hält dich selbst nicht nur trocken sondern auch deinen Rucksack
  • Es kann mal vorkommen dass auf dem Boden geschlafen werden muss; nimm deshalb eine Matte mit ( ist auch nützlich bei einer Pause unterwegs).

Der Camino ist eine gute Möglichkeit, das tägliche Leben eine kurze Zeit zu vergessen. Dazu hören, meinen wir,auch die Alltagsgeschäfte. Sie werden erstaunt sein, wie wenig man letzendlich braucht. Ausserdem kommt man unterwegs regelmässig an Läden vorbei und ..... vielen hilfsbereiten Leuten. Vertrauen Sie darauf und auf sichselbst!


Letzte Tipp:
"In 2000 Michel Besson has founded the newsgroup "Santiagiobis". Pieter Pannevis, a pilgrim from Holland, is the principal moderator of Santiagobis. A very lively and friendly newsgroup that covers all aspects of pilgrimship. Join the newsgroup and do yourself a favour in preparation: http://groups.yahoo.com/group/Santiagobis/ "











Ermita de Nuestra Señora de Eunate (Spanien)


 





der heilige Gral

Bereits seit tausenden von Jahren lassen sich Menschen von den Reisen mythischer Helden inspirieren. Wer kennt sie nicht?: Die Rückreise von Odysseus nach dem Fall Trojas, oder die Suche der Ritter von König Arthur nach dem heiligen Gral.

Als der heilige Gral, wird der Kelch bezeichnet, den Jesus beim letzten Abendmahl benutzte – oder in einer anderen Version  – der Kelch, der das Blut Jesu aufgenommen hat, als er am Kreuz hing.

Der Gral befand sich in einer verborgenen Burg, wo der schwer verletzte König Amfortas lebte. Dieser kann alleine dadurch genesen, und auch sein Königreich vor dem Untergang retten, wenn ein Ritter die Burg findet und ihn nach der Bedeutung des Grals und seiner Wunden fragt.

Parcival ist einer von den drei Rittern Arthurs, der die Burg findet, doch er versäumt die rechte Frage zu stellen. Dann beginnt seine jahrelange Wanderung durch einen unermesslich ausgedehnten Wald, wobei er durch zahllose Aufträgen zum Stillstand kommt. Letztendlich findet er die Burg erneut, und tut, geläutert durch seine Reise, das Richtige. Er heilte den König und wurde in der Folge selber der neue Gralkönig.

Die Suche von Parcival ist eine gute Metapher für die Entwicklungen, die wir als Menschen, jeder für sich, durchmachen. Mit hinfallen und aufstehen. Mal fühlen wir uns im Wald gefangen oder wir schicken uns selber in diesen Wald hinein, und hin und wieder gehen wir auch durch ein tiefes Tal ( Par–ci–val bedeutet: durch das Tal).

Es sollen natürlich allzeit Menschen geben, die die Symbole und die Metaphern wörtlich nehmen. Im Mittelalter konnten fromme Pilger, alleine in Aragon an drei Orten entlang des Caminos, etliche heilige Grale anschauen: in San Juan de la Peňa, in einem in der Nähe gelegenen Kloster, sowie in Jaca!  Auch in der Kirche von O Cebreiro, am Gebirgspass nach Galizien, hätte ein Gralwunder platzgefunden. Auch heute noch sind Menschen auf der Suche nach dem heiligen Gral, unter anderem in den östlichen Pyrenäen!

 


letzte Abendmahl (San Juan de la Peña, Spanien)


am Kreuz

 





Parcival

das Labyrinth

Hiervor nennten wir den dunklen Wald als eine Metapher für die Suche im Leben. Andere Mythen benutzen hierfür als Bild: das Labyrinth. Dieses Bild eines Labyrinths ist bereits Tausende Jahre alt: Rund 1400 Jahre vor Christus wurde es zum ersten mal auf einem Stein aus Knossos auf Kreta, verwandt. Auf Kreta spielte auch der Mythos von Theseus und dem Minotaurus. Dieser Minotaurus lebte in einem Labyrinth, wo man ihm Menschenopfer dar zu bringen hatte. Der Held Theseus wagte sich in dieses Labyrinth, erschlug das Monster und wußte danach, durch “den roten Faden”, den seine Geliebte Ariadne für ihn gesponnen hatte,  den Weg zurück.

Der Mythos von Theseus wird unter anderem auf einer Kupfertafel, die früher mitten im großen Umlauflabyrinth der Kathedrale von Chartres befestigt war, abgebildet. Die Tafel ist verschwunden, doch das mittelalterliche Labyrinth besteht noch immer.

Dies ist ein Bespiele dafür, wie das Christentum heidnische Plätze, Rituale und Bilder übernommen hat, indem sie eine neue Bedeutung bekommen haben (siehe auch: Der Sternenweg), in diesem Fall, unter anderem als Symbol für den (Lebens)weg zum himmlischen Jerusalem. Der Weg durch das Labyrinth ist dann eine Läuterung, ein Übergang von der sündigen Umwelt, hin zum (himmlischen) Jerusalem. Die Gläubigen legten diesen Weg, mit einem Gebetbuch in der Hand, darum kriechend zurück: Die Kirche war für sie ein Leitfaden im Labyrinth ihres Lebens.

Im 17. und 18. Jahrhundert würdigte man die spirituelle Bedeutung von Labyrinthen nicht länger, im Gegenteil: man empfand sie als “sinnloses Spiel und als eine Zeitverschwendung”. Darum sind alle Umlauflabyrinthe aus den großen Kirchen Nordfrankreichs verschwunden, außer dem in Chartres.




Theseus erschlagt der Minotaurus, Ariadne wartet mit dem roten Faden.

 

 

 


das Umlauflabyrinth der Kathedrale von Chartres, am Pilgerweg ab Paris

Ithaka

Odysseus war einer der mythischen Anführer des griechischen Heeres, das jahrelang Troja belagert hatte. Er war es, der  die List mit den hölzernen Pferd erdacht hatte, wodurch die Stadt eingenommen werden konnte. Danach konnte Odysseus endlich zurück nach Hause, nach Ithaka und zu seiner Frau Penelope. Es sollte eine lange Seereise werden, voller Gefahren und Abenteuern. Inspiriert durch diese Reise schrieb der Grieche Konstantinos Kavafis ( 1863-1933 ) sein großartiges Gedicht “Ithaka”:

Brichst du auf gen Ithaka,
wünsch dir eine lange Fahrt,
voller Abenteuer und Erkenntnisse.
Die Lästrygonen und Zyklopen,
den zornigen Poseidon fürchte nicht,
solcherlei wirst du auf deiner Fahrt nie finden,
wenn dein Denken hochgespannt, wenn edle
Regung deinen Geist und Körper anrührt.
Den Lästrygonen und Zyklopen,
dem wütenden Poseidon wirst du nicht begegnen,
falls du sie nicht in deiner Seele mit dir trägst,
falls deine Seele sie nicht vor dir aufbaut.

Wünsch dir eine lange Fahrt.
Der Sommermorgen möchten viele sein,
da du, mit welcher Freude und Zufriedenheit!
In nie zuvor gesehene Häfen einfährst;
Halte ein bei Handelsplätzen der Phönizier
Und erwirb die schönen Waren,
Perlmutter und Korallen, Bernstein, Ebenholz
Und erregende Essenzen aller Art,
so reichlich du vermagst, erregende Essenzen,
besuche viele Städte in Ägypten,
damit du von den Eingeweihten lernst und wieder lernst.

Immer halte Ithaka im Sinn.
Dort anzukommen ist dir vorbestimmt.
Doch beeile nur nicht deine Reise.
Besser ist, sie dauere viele Jahre;
Und alt geworden lege auf der Insel an,
reich an dem, was du auf deiner Fahrt gewannst,
und hoffe nicht, dass Ithaka dir Reichtum gäbe.

Ithaka gab dir die schöne Reise.
Du wärest ohne es nicht auf die Fahrt gegangen.
Nun hat es dir nicht mehr zu geben.

Auch wenn es sich dir ärmlich zeigt, Ithaka betrog dich nicht.
So weise, wie du wurdest, in solchem Maße erfahren,
wirst du ohnedies verstanden haben, was die Ithakas bedeuten.


Das hölzerne Pferd

 

 

 

 

 

 


Odysseus und die Syrenen